{"id":47,"date":"2021-11-12T13:13:42","date_gmt":"2021-11-12T11:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/einfuehrungstage.blogsport.de\/2021\/11\/12\/kritik-an-der-veranstaltung-zu-radikalisierungspraevention-der-fh-erfurt\/"},"modified":"2021-11-12T13:13:42","modified_gmt":"2021-11-12T11:13:42","slug":"kritik-an-der-veranstaltung-zu-radikalisierungspraevention-der-fh-erfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naeli.arranca.de\/?p=47","title":{"rendered":"Kritik an der Veranstaltung zu Radikalisierungspr\u00e4vention der FH Erfurt"},"content":{"rendered":"<p>Am 2.11.21 fand eine von der Hochschulleitung der Fachhochschule Erfurt initiierte Veranstaltung zum Thema \u201eRadikalisierungspr\u00e4vention\u201c statt. Die Hochschulgruppe Naturfreundejugend (International Young Naturefriends) kritisierte in einem Statement Inhalt und Ablauf der Veranstaltung:<\/p>\n<p><em><strong>Statement zur Informationsveranstaltung \u201eRadikalisierungspr\u00e4vention\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Am 02.11. wurde von der Hochschulleitung der Fachhochschule Erfurt gemeinsam mit Miriam M\u00fcller-Rensch (Forschungsstelle RUK) und dem Diversit\u00e4tsbeauftragten Karl-Heinz Stange zu einer hochschul\u00fcbergreifenden Info-Veranstaltung zur \u201eRadikalisierungspr\u00e4vention\u201c eingeladen. Alle Lehrveranstaltungen sollten daf\u00fcr unterbrochen werden und die gesamte Hochschule daran teilnehmen. Diese Veranstaltung bekam also einen hohen Stellenwert.<br \/>\nWir haben diese Einladung als Hochschulgruppe begr\u00fc\u00dft. Debatten, vor allem auch politische Debatten an der Hochschule, finden wir wichtig und richtig. Diskriminierende und rassistische Vorf\u00e4lle am Campus sind keine Seltenheit. Dies zeigen j\u00fcngste Beispiele, wie etwa faschistisch anmutenden Flyer einer Fachschaft, besch\u00e4mende Kreideaktionen und allgemein rassistische, sexistische und antisemitische \u00c4u\u00dferungen und Kommentare im Umfeld der FH, auch im Verlaufe der Veranstaltung.1<br \/>\nUnsererseits gibt es jedoch einiges an Kritik zum Ablauf und dem Inhalt der Veranstaltung.<br \/>\nIm Zuge des Inputs von Frau M\u00fcller-Rensch wurde zur Einordnung von politischem Extremismus in Deutschland die Hufeisen-Theorie genutzt. Das ist eine Perspektive der Extremismustheorie, welche besagt, die Gesellschaft sei politisch wie ein Hufeisen aufgebaut: Die \u201egute\u201c b\u00fcrgerliche Mitte stellt die Basis der demokratischen Gesellschaft dar, die von den \u201eb\u00f6sen\u201c extremistischen R\u00e4ndern von rechts und links bedroht wird. Diese Ansicht ist in der Wissenschaft umstritten und gilt als \u00fcberholt.2 Menschenfeindliche Einstellungsmerkmale sind in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet und nicht nur an einem gedachten Rand. Damit ist das Problem mit Rassismus und Rechtsextremismus kein Randph\u00e4nomen, dass \u201eAndere\u201c betrifft. Menschenverachtende Ideologien sind nicht au\u00dferhalb einer \u201eMitte\u201c verortet. Menschenfeindliche Einstellungen sind tief in unsere Gesellschaft eingeschrieben (durch unsere Sozialisation und damit auch in unseren Institutionen) und wir m\u00fcssen uns alle damit auseinandersetzen.<br \/>\nZwar erfolgte im Vortrag als Reaktion auf die Nachfrage, zur Anwendung der Hufeisen-Theorie eine Verneinung. Das Gegen\u00fcberstellen von Straftaten der politisch eingeordneten R\u00e4nder w\u00e4hrend der Veranstaltung impliziert jedoch den R\u00fcckgriff auf genau dieses Modell. Alle Straftaten wurden zudem als \u201egleich schlimm\u201c betitelt. Hier erfolgte weder eine Differenzierung der Schwere der Straftaten noch eine Definition, um welche Straftatenbest\u00e4nde es sich eigentlich genau handelt. Dies w\u00e4re jedoch entscheidend bei der Bewertung. Und es macht einen deutlichen Unterschied aus, ob an einer Sitzblockade teilgenommen oder ein Brandanschlag auf ein Fl\u00fcchtlingsheim ver\u00fcbt wurde.<br \/>\nEine solche Gleichsetzung von rechts und links in Zeiten rechten Terrors (NSU, Hanau, oder Halle) und in denen faschistische Parteien von der \u201enormalen Zivilgesellschaft\u201c legitimiert werden, ist f\u00fcr uns nicht nur \u00fcberholt und unangemessen, sie ist f\u00fcr uns auch nicht tolerierbar.<br \/>\nWir halten es zudem f\u00fcr fragw\u00fcrdig ausschlie\u00dflich Statistiken des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, sp\u00e4testens seit dessen Unterst\u00fctzung des \u201eNationalsozialistischen Untergrunds\u201c durch V-M\u00e4nner, heranzuziehen.3<\/p>\n<p>In der Info-Veranstaltung wurde \u201eAntifaschismus\u201c von einigen Teilnehmenden im Chat als extremistisch geframet und damit delegitimisiert.<br \/>\nDie freiheitlich- demokratische Grundordnung, von denen sich der Extremismus distanziert, ist antifaschistisch. Sich gegen Faschismus zu stellen ist sicher auch in dieser Hochschule Konsens, es bleibt jedoch notwendig sich gegen Ungerechtigkeiten und Benachteiligung einzusetzen. Dabei funktioniert Antifaschismus nicht als Lippenbekenntnis, sondern als Aktion. Formen zivilen Ungehorsams sind nicht nur ein Grundrecht, sondern legitimes Mittel. Antifaschistische Arbeit ist und bleibt wichtig. Sie erkennt und kritisiert rassistische und diskriminierende Strukturen innerhalb der Zivilgesellschaft und in staatlichen Institutionen und sie versucht, eben jene Minderheiten, welche t\u00e4glich von Diskriminierung und Rassismus betroffen sind, zu sch\u00fctzen. <\/p>\n<p>Wir erwarten von unserer Hochschule und deren Leitung: Eine differenziertere Auseinandersetzung mit politischer Theorie, ein entschiedenes Einschreiten bei menschenfeindlichen Aussagen und Taten und dass ein Wandel innerhalb der Hochschule geschieht und gelebt wird. Dazu braucht es eine Solidarisierung mit antifaschistischer Arbeit und keine Kriminalisierung. <\/p>\n<p>Hochschulgruppe Naturfreundejugend (International Young Naturefriends)<\/p>\n<p>1 Informationsveranstaltung zur Radikalisierungspr\u00e4vention, 02.11.2021, Fachhochschule Erfurt, siehe Chatverlauf.<br \/>\n2 Uhlig, Berendsen, Rhein 2019: Extrem unbrauchbar. \u00dcber Gleichsetzungen von links und rechts.<br \/>\nDecker, et al. 2010: Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland.<br \/>\nSt\u00f6ss 2015: &#8222;Kritische Anmerkungen zur Verwendung des Extremismuskonzepts in den Sozialwissenschaften&#8220;, f\u00fcr: Bundeszentrale f\u00fcr Politische Bildung, unter: https:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/200099\/kritische-anmerkungen-zur-verwendung-des-extremismuskonzepts-in-den-sozialwissenschaften, Zugriff: 03.11.2021.<br \/>\n4 Pau, Renner, 2021; \u201eVersagen und Vertuschen\u201c; https:\/\/www.linksfraktion.de\/themen\/nachrichten\/detail\/versagen-und-vertuschen-die-rolle-des-verfassungsschutzes\/ Zugriff 07.11.2021.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2.11.21 fand eine von der Hochschulleitung der Fachhochschule Erfurt initiierte Veranstaltung zum Thema \u201eRadikalisierungspr\u00e4vention\u201c statt. 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